Wintercamping – unsere Tipps
Camping im Winter klingt für viele erst einmal nach Kälte, Eis und unbequemen Nächten. Doch wer es einmal erlebt hat, weiß: Wintercamping ist ruhiger, gemütlicher und oft überraschend entspannend. Leere Campingplätze, klare Luft, verschneite Landschaften oedr rauhes Meer und das Gefühl, sich nach einem kalten Tag im warmen Wohnwagen einzukuscheln, machen diese Jahreszeit zu etwas ganz Besonderem.
Damit Camping im Winter wirklich Freude macht, braucht es allerdings die richtige Vorbereitung. Vom wintertauglichen Wohnwagen über volle Gasflaschen bis hin zu kleinen Tricks für mehr Wärme und Komfort – mit den passenden Tipps wird aus der kalten Jahreszeit ein echtes Wohlfühlabenteuer. In diesem Artikel zeigen wir euch, worauf es beim Wintercamping ankommt, welche Must-haves nicht fehlen dürfen und wie auch Anfänger entspannt und sicher durch die kalten Tage kommen.
Ist mein Wohnwagen für Wintercamping geeignet?
Um es vorab zu sagen: wir haben keine besondere Isolierung in unserem Wohnwagen verbaut. wir sind mit einem Weinsberg 550QDK unterwegs und haben den Wohnwagen 2022 frisch ab Werk gekauft. Wenn ihr nicht gerade vorhabt, 2 Wochen in den tiefsten Lofoten bei meterhohem Schnee zu verbringen, ist unserer Meinung nach keine besondere Isolierung erforderlich. Wichtig ist, dass der Wohnwagen komplett dicht und trocken ist und die Heizung funktioniert. Je nachdem wie oft es euch in kältere Regionen zieht kann es sinnvollsein, isolierte oder beheizte Frisch- und Abwassertanks zu nutzen. Wir tun dies jedoch nicht. Zudem gibt es für die Fenster besondere Isoliermatten. Diese werden von innen an den Fenstern angebracht und können im Fachhandel direkt in der richtigen Fenstergröße besorgt werden.
Wie bekomme ich den Wohnwagen richtig warm?
Einer unserer wichtigsten Tipps: achtet auf volle Gasflaschen. Der Gasverbrauch für Heizung (und wenn über den Außenanschluss draußen gekocht wird) ist deutlich höher als in den warmen Sommermonaten. Wir haben im Winter zwei 11kg-Gasflaschen mit Duocontrol dabei. Für eine Woche bei besonders niedrigen Temperaturen verbrauchen wir meist so viel, dass wir mit einer komplett leeren und einer deutlich geleerten Gasflasche zurück kommen. Unser Wohnwagen wird von uns nicht beheizt, wenn wir Unternehmungen machen und niemand im Wohnwagen zurückbleibt. Zu Beginn des Campingausflugs oder nach Ausflügen heizen wir einmal auf höchster Wärme- und höchster Umluftstufe und regulieren die Gaszufuhr anschließend auf etwa die Hälfte. Wichtig: die Heizungsschlitze sollten immer frei sein. Campingmöbel oder Kleidungsstücke vor den Öffnungen sorgen dafür, dass sich die Wärme nur unzureichend verteilt. In unserem Wohnwagen ist der Kinderbereich im Heck untergebracht. Wer diesen Bereich schnell warm bekommen möchte kann mit der Abtrennung durch Vorhängen arbeiten.
Ein weiterer Tipp: die Böden warm halten. Nicht jeder Wohnwagen oder Camper hat eine Bodenheizung verbaut und die Kälte kriecht oft von unten in das Fahrzeug. Wer möchte, verlegt einen passgenauen Teppich oder – so machen wir es – hat mehrere kleine Teppiche ausgelegt.
Die richtige Kleidung
Wenn wir für eine Woche Wintercamping packen nimmt unsere Kleidung oft das Volumen von Kleidung für einen dreiwöchigen Sommerurlaub ein. Der altbekannte Zwiebellook mit meheren Schichten Kleidung übereinander hält besonders draußen warm. Auch Skiunterwäsche wirkt Wunder. Dicke Socken sind besonders bei Campingfahrzeugen ohne Fußbodenheizung eine Wohltat. Unser Tipp: nehmt hiervon direkt mehrere Paare mit auf Reisen.
Wer morgens im Camper wach wird und nach seiner Kleidung in den Stauklappen greift wird schnell die Erfahrung machen, dass diese immer recht kalt ist. Bei schlechter Isolierung des Campera kann sie sogar klamm sein. Unser Tipp: lagert die Kleidung für den nächsten Tag im Kleiderschrank, durch den auch der Heizungsschlauch verläuft. Eine wahre Wohltat am Morgen! Wer nicht auf den Kleiderschrak-Trick zurückgreifen kann oder will, kann sich zumindest mit kleineren Staukörben in den Klappen zu etwas weniger Kälte in der Kleidung verhelfen.

Trotz Kälte gut schlafen
Gleiches gilt übrigens auch am Abend. Im Schrank vorgewärmte Schlafanzüge sorgen dafür, dass das Einschlafen viel leichter gelingt und es auch trotz kalter Temperaturen kuschelig warm wird. Um gut schalfen zu können verzichten wir nachts auf den Zwiebellock. Stattdessen haben wir zusätzlich zum Bettlaken auf allen Betten dicke Vliesdecken als zweites Laken ausgelegt. Darüber folgt das normale Oberbett mit wärmender Bettwäsche. Hier eignen sich Biber- und Flanellstoffe am Besten. Wer besonders schnell friert kann auch über eine elektrische Heizdecke nachdenken. Wir nutzen sie bisher nicht. Für besonders kalte Abende haben wir jedoch Wärmflaschen im Einsatz, die die Betten schon mal vorheizen. Die Heizung drehen wir abends übrigens bewusst runter, da die Gasheizung schnell Schleimhäute austrocknet und ein kratzender Hals oft vorprogrammiert ist. Morgens nach dem ersten Durchlüften drehen wir die Heizung dann wieder etwas höher.

Das Thema mit dem Wasser
Wasser ist beim Wintercamping einer der kniffligsten Punkte, da außenliegende Wasserschläuche einfrieren können und alle Leitungen nach dem Campingausflug komplett geleert sein müssen um Frostschäden zu vermeiden. Viele Camper entscheiden sich im Winter bewusst dafür, den Frischwassertank nur eingeschränkt oder gar nicht zu nutzen und stattdessen Wasserkanister zu verwenden. Wir nutzen zwar keine Kanister, nehmen unsere Wasserleitungen im Winter jedoch auch nicht in Betrieb. Stattdessen wählen wir unseren Stellplatz strategisch so, dass die Wege zu den Sanitärgebäuden möglichst kurz sind. Wer seine Wasserleitungen dennoch in Betrieb nehmen möchte sollte auch an das Wasser denken: es sollte regelmäßig entleert werden, damit nichts zufriert.

Vorzelt und Wintercamping
Es gibt spezielle Wintervorzelte. Diese zeichnen sich durch widerstandsfähige, wasserdichte PVC-Materialien, ein stärker geneigtes Dach zur besseren Schneeräumung, ein robustes – häufig aus Stahl gefertigtes – Gestänge sowie eine kompakte Konstruktion aus, die Wind, Schnee und Kälte effektiv standhält. Außerdem gibt es oft auch intergrierte Kälteschleusen und mehr Stauraum für Ausrüstung. Wir sind auch im Winter mit unserem normalen Luftvorzelt unterwegs und haben kein spezielles Wintervorzelt im Einsatz. Für uns ist so ein (oft auch schwereres) Vorzelt schlicht weg zu selten im Einsatz, als dass es sich für uns lohnen würde. Auch sind wir zwar in kalten, nicht aber in besonders schneegefährdeten Gebieten unterwegs. Wer hier unterwegs ist sollte zusätzlich darauf achten, dass das Vorzeltdach durch das Gewicht vom Schnee nicht beschädigt wird und diesen vom Vorzelt und um den Wohnwagenkamin stehts räumen.

Aber auch bei normalen Vorzelten gibt es einiges zu beachten: Eine Wohnwagenschürze schützt vor Zugluft unter dem Wohnwagen. Auch im Vorzelt können zusätzliche Teppiche für etwas mehr Wärme sorgen. Einige Camper nutzen Heizlüfter. Wir halten hiervon aber ehrlich gesagt eher wenig, da zu viel Energie vergeudet wird und der Wärmeeffekt sich in Grenzen hält. Für unser Stangenvorzelt hatten wir eine Heizlampe im Einsatz. Diese wurde am Gestänge angebracht und hat neben angenehmer Wärme auch ein tolles Licht abgegeben. Kunstfelle auf Sitzmöbeln machen auch lange Abende im Vorzelt wesentlich angenehmer.

Das Rahmenprogramm neben dem Wintercamping
Während man im Sommer einfach die Tür aufmacht und die meisten Kinder schnell draußen beschäftigt sind, kann dies beim Wintercamping ganz anders sein. Zum einen ist das Wetter ungemütlicher, zum anderen sind auch wesentlich weniger Camper unterwegs, so dass auch Spielgefährten oft schwieriger zu finden sind. Hier macht es durchaus Sinn, dies vorab zu bedenken. Neben verschiedenen Spielideen für drinnen (Anregungen findet hier hierzu übrigens hier: Reisespiele für unterwegs) sollten auch temperaturunabhängige Ausflugsziele in der Nähe sein. Hat der Campingplatz ein Hallenbad oder gibt es ein Schwimmbad in der Nähe? Gibt es Kindermuseen, Trampolinparks oder ähnliche kindgerechte Aktivitäten im Umkreis?
Aber auch Erwachsene, die ohne Kinder reisen, sollten über diesen Punkt nachdenken. Ist das Wetter wirklich einmal über mehrere Tage ungemütlich kann einem schnell die Decke auf den Kopf fallen. Neben einem guten Buch oder einer Streaming-Möglichkeit können auch Spas im Umkreis besucht oder besondere Ausflugsziele wie z.B. Kaffeeröstereien, Ausstellungen oder ähnliches eine gute Alternative sein.
Fazit: Wintercamping im Wohnwagen lohnt sich – mit der richtigen Vorbereitung
Camping mit dem Wohnwagen im Winter ist entschleunigt, ruhig und oft überraschend gemütlich. Wer sich vorbereitet, sein Fahrzeug kennt und ein paar winterliche Besonderheiten berücksichtigt, wird mit klarer Luft, leeren Plätzen und echter Wohlfühlatmosphäre belohnt.
Und ganz ehrlich: Wenn draußen Schnee liegt und drinnen die Heizung leise summt, fühlt sich Camping nochmal ganz neu an.
Zusammenfassung als PDF-Checkliste
Autor
mail@sachenpackenundlos.de