Heizen im Wohnwagen und Vorzelt: So bleibt es im Herbst gemütlich
Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen nachts einstellig sind und morgens der erste Blick aus dem Fenster eher nach November als nach Sommerurlaub aussieht, beginnt für viele Camper eine der schönsten Jahreszeiten. Herbstcamping hat seinen ganz eigenen Reiz: weniger Trubel auf den Plätzen, bunte Wälder, gemütliche Abende im Wohnwagen und dieser Moment, wenn draußen die Kälte bleibt, während es drinnen angenehm warm ist.
Damit das funktioniert, braucht es allerdings ein bisschen mehr als nur die Heizung aufdrehen. Gerade beim Wohnwagen heizen kommt es darauf an, die Wärme sinnvoll zu verteilen, richtig zu lüften und je nach Stellplatz auch das Vorzelt nicht zu vergessen. Denn was bringt der schönste Herbstplatz, wenn man abends nur noch schnell ins Bett möchte, weil es im Vorzelt nach Sonnenuntergang empfindlich kalt wird?
Wohnwagen heizen: Lieber gleichmäßig als ständig auf und zu
Die klassische Gasheizung ist bei vielen Wohnwagen die wichtigste Wärmequelle. Sie hat den großen Vorteil, dass sie für den Wohnwagen ausgelegt ist und die Wärme je nach Heizsystem über mehrere Ausströmer im Fahrzeug verteilt werden kann.
Gerade im Herbst ist es angenehm, den Wohnwagen nicht immer komplett auskühlen zu lassen. Wer die Heizung erst anschaltet, wenn es schon richtig kalt ist, braucht entsprechend länger, bis nicht nur die Luft, sondern auch Möbel, Wände und andere Oberflächen wieder angenehm temperiert sind. Eine gleichmäßige Grundtemperatur kann deshalb angenehmer sein als ein ständiges Wechselspiel aus „zu kalt“ und „Heizung auf volle Leistung“. Dabei muss es natürlich nicht den ganzen Tag tropische Temperaturen haben. Wenn ihr unterwegs seid, kann die Temperatur entsprechend reduziert werden. Sobald ihr wieder im Wohnwagen seid, lässt sich die Heizung rechtzeitig hochregeln.

Gas oder Strom: Welche Heizung ist beim Camping sinnvoll?
Neben der fest eingebauten Gasheizung kommen auf vielen Campingplätzen elektrische Heizgeräte zum Einsatz. Besonders praktisch ist das natürlich dort, wo Strom am Stellplatz vorhanden ist und die benötigte Leistung zur Verfügung steht.
Ein kleiner elektrischer Heizlüfter kann einen überschaubaren Innenraum schnell erwärmen. Auch Konvektoren oder andere elektrische Heizgeräte können je nach Situation eine Möglichkeit sein. Allerdings sollte man beim elektrischen Heizen immer die Absicherung des Campingplatzes und die Anschlussleistung des eigenen Stellplatzes im Blick behalten. Eine elektrische Heizung mit hoher Leistung kann bereits einen großen Teil des verfügbaren Stroms beanspruchen. Wenn gleichzeitig Wasserkocher, Kaffeemaschine, Föhn oder andere Geräte laufen, kann es schnell zu viel werden. Gerade deshalb ist es sinnvoll, nicht einfach irgendeinen Heizlüfter mitzunehmen, sondern sich vorher anzuschauen, welche Leistung das Gerät benötigt und welche Stromversorgung am Campingplatz zur Verfügung steht.
Warm halten und trotzdem lüften
Heizen bedeutet nicht, dass alle Fenster und Lüftungsmöglichkeiten dauerhaft geschlossen bleiben sollten. Im Wohnwagen entstehen schließlich ständig neue Feuchtigkeitsquellen: beim Kochen, Duschen, Schlafen oder auch durch nasse Kleidung. Gerade im Herbst kann die Versuchung groß sein, einfach alles dichtzumachen, damit keine kalte Luft hereinkommt.
Besser ist ein bewusster Luftaustausch. Vor allem morgens oder nach dem Duschen und Kochen lohnt es sich, einmal ordentlich zu lüften und anschließend wieder zu heizen. So bleibt die Raumluft angenehmer, ohne dass man den ganzen Tag ein Fenster gekippt lassen muss. Das hilft übrigens nicht nur gegen Feuchtigkeit. Frische Luft macht einen kleinen Wohnwagen auch schlicht angenehmer.
Das Vorzelt: Hier wird es mit dem Heizen etwas komplizierter
Im Wohnwagen lässt sich die Wärme relativ gut kontrollieren. Im Vorzelt sieht die Sache anders aus. Ein Vorzelt ist schließlich kein zweiter Wohnwagen. Je nach Material, Größe, Aufbau und Außentemperatur kann die Wärme schnell wieder verschwinden. Trotzdem muss man im Herbst nicht automatisch auf gemütliche Abende im Vorzelt verzichten. Gerade für die Übergangszeit können verschiedene Heizlösungen interessant sein.
Heizstrahler und Infrarotheizungen
Eine Möglichkeit sind elektrische Heizstrahler beziehungsweise Infrarotheizungen. Anders als ein klassischer Heizlüfter erwärmen sie nicht unbedingt in erster Linie die gesamte Luft, sondern geben Wärme in Richtung der angestrahlten Fläche und Personen ab. Das kann im Vorzelt praktisch sein.
Wenn ihr beispielsweise abends am Tisch sitzt, muss nicht zwangsläufig das komplette Vorzelt auf eine bestimmte Temperatur gebracht werden. Eine gezielt ausgerichtete Wärmequelle kann dort angenehmer sein, wo ihr tatsächlich sitzt. Gerade bei einem größeren Vorzelt kann das einen Unterschied machen. Wichtig ist allerdings, dass solche Geräte für den vorgesehenen Einsatz geeignet sind und entsprechend der Herstellerangaben aufgestellt und betrieben werden. Heizgeräte gehören nicht direkt neben Vorhänge, Zeltwände oder andere brennbare Materialien.
Elektrische Heizlüfter im Vorzelt
Auch ein elektrischer Heizlüfter kann Wärme ins Vorzelt bringen. Er erwärmt die Luft und kann deshalb besonders dann interessant sein, wenn das Vorzelt geschlossen ist und die Wärme nicht sofort nach draußen entweicht.
Allerdings sollte man hier besonders auf die elektrische Leistung achten. Ein leistungsstarker Heizlüfter kann den Stromanschluss des Campingplatzes ordentlich beanspruchen. Außerdem ist ein Heizlüfter im Vorzelt nicht unbedingt die ideale Lösung, wenn ständig die komplette Zeltluft erwärmt werden soll. Je nach Größe des Vorzeltes und Außentemperatur kann die Wärme relativ schnell wieder verloren gehen. Deshalb sollte man sich vor allem überlegen, wo die Wärme benötigt wird.
Wärme gezielt einsetzen
Beim Vorzelt gilt eigentlich dieselbe Campingregel wie beim Packen: Nicht alles muss mit. Wenn ihr das Vorzelt hauptsächlich zum Essen nutzt, kann eine gezielte Wärmequelle am Sitzplatz sinnvoller sein als der Versuch, das gesamte Vorzelt auf Wohnzimmerniveau zu bringen. Wer dagegen im Vorzelt einen größeren Wohnbereich eingerichtet hat und dort mehrere Stunden verbringt, kann mit einem geeigneten elektrischen Heizgerät arbeiten – sofern die örtlichen Bedingungen und die elektrische Versorgung das zulassen.
Auch Teppiche oder isolierende Unterlagen können das subjektive Wärmegefühl verbessern. Gerade kalte Füße machen einen Herbstabend schnell ungemütlich, selbst wenn die Lufttemperatur eigentlich noch angenehm ist.

Was ist mit Gasheizungen im Vorzelt?
Bei Gasheizgeräten ist besondere Vorsicht angesagt. Nicht jedes Gerät ist für den Einsatz in geschlossenen oder teilweise geschlossenen Bereichen geeignet. Hier sollte man sich nicht auf Erfahrungswerte oder Aussagen wie „Das machen doch viele Camper“ verlassen, sondern ausschließlich Geräte verwenden, die ausdrücklich für den jeweiligen Einsatzbereich vorgesehen sind, und die Herstellerangaben beachten.
Vor allem bei Verbrennungsheizungen spielen ausreichende Belüftung und die sichere Ableitung von Abgasen eine wichtige Rolle. Für viele Camper ist deshalb die elektrische Lösung im Vorzelt die unkompliziertere Variante – vorausgesetzt, der Campingplatz stellt ausreichend Strom zur Verfügung und das verwendete Gerät ist für den Einsatz geeignet.
Heizstrahler, Heizlüfter oder einfach eine Decke?
Manchmal ist die einfachste Lösung tatsächlich die beste. Wenn es abends nur ein bisschen frisch wird, muss nicht sofort das komplette Vorzelt beheizt werden. Eine warme Jacke, eine Decke und vielleicht ein Sitzkissen können den Unterschied machen.
Wird es dagegen dauerhaft kalt, kann eine geeignete Heizung den Komfort deutlich erhöhen.
Wir würden deshalb nicht versuchen, das Vorzelt grundsätzlich auf dieselbe Temperatur wie den Wohnwagen zu bringen. Das ist je nach Außentemperatur schlicht wenig effizient.
Viel sinnvoller ist die Frage: Wie lange halten wir uns dort auf und was brauchen wir, damit es angenehm ist? Für einen kurzen Kaffee am Nachmittag reicht vielleicht die Jacke. Für einen langen Spieleabend mit Freunden sieht die Sache schon anders aus.

Ein kleiner Trick für kalte Abende: Wärme nicht verschenken
Gerade im Herbst lohnt es sich, das Vorzelt möglichst geschlossen zu halten, wenn man es beheizen möchte. Offene Eingänge oder ständig aufgezogene Seitenwände lassen die Wärme natürlich schnell verschwinden. Auch die Position der Heizung spielt eine Rolle. Sie sollte dort stehen beziehungsweise angebracht werden, wo sie ihre Wärme sinnvoll abgeben kann – ohne Wege zu blockieren oder in Kontakt mit brennbaren Materialien zu kommen. Das klingt banal, macht beim tatsächlichen Heizen aber einen großen Unterschied.
Und was ist mit der Wohnwagen-Tür?
Ein weiterer Wärmeverlust entsteht jedes Mal, wenn die Tür geöffnet wird. Natürlich lässt sich das beim Camping nicht vermeiden. Trotzdem kann eine gut organisierte Sitz- und Küchenzone dabei helfen, dass nicht ständig die Tür direkt neben dem Aufenthaltsbereich geöffnet wird. Gerade mit Kindern oder bei häufigem Gang ins Vorzelt kann man schnell merken, wie viel kalte Luft dabei jedes Mal in den Wohnwagen kommt. Das ist kein Grund, die Tür möglichst selten zu öffnen. Aber es hilft, sich bewusst zu machen, wo die Wärme eigentlich verloren geht.
Wohnwagen im Herbst warm halten: Es kommt auf das Zusammenspiel an
Eine einzelne Wunderlösung gibt es beim Herbstcamping nicht.
Die Gasheizung sorgt im Wohnwagen für die Grundwärme. Eine elektrische Heizung kann auf einem geeigneten Stellplatz eine Ergänzung sein. Im Vorzelt können je nach Situation Heizstrahler, Infrarotheizungen oder geeignete elektrische Heizgeräte interessant sein.
Dazu kommen ganz einfache Dinge: Türen nicht unnötig offen stehen lassen, das Vorzelt möglichst geschlossen halten, richtig lüften und warme Kleidung nicht zu Hause vergessen.
Und natürlich sollte bei jeder Heizung die Sicherheit an erster Stelle stehen. Herstellerangaben, Abstände zu brennbaren Materialien und die Vorgaben des Campingplatzes sind keine lästigen Kleinigkeiten, sondern gehören zum Heizen einfach dazu.
Unser Fazit: Herbstcamping darf gemütlich sein
Beim Wohnwagen im Herbst warm halten geht es gar nicht darum, aus dem Campingfahrzeug eine Sauna zu machen. Viel angenehmer ist eine konstante, gut verteilte Wärme, bei der man sich wohlfühlt.
Im Wohnwagen funktioniert das mit der vorhandenen Heizung meist recht unkompliziert. Im Vorzelt braucht es etwas mehr Überlegung, weil dort deutlich mehr Wärme verloren geht. Hier können elektrische Heizstrahler oder geeignete Heizgeräte eine praktische Ergänzung sein – besonders dann, wenn man gezielt den Sitzbereich erwärmen möchte.
Und wenn es irgendwann doch zu kalt wird? Dann gibt es immer noch die beste Heizung beim Camping: die Wohnwagentür auf, rein in den warmen Wohnwagen, Tee aufsetzen und dem Regen von drinnen zuhören.
So darf Herbstcamping sein.
Autor
mail@sachenpackenundlos.de