Ein Kurztrip in die Camargue – zwischen Flamingos, Sand und französischem Lebensgefühl
Es gibt Orte, bei denen weiß man schon bei der Ankunft: Hier beginnt der Urlaub. Und dann gibt es Orte, an denen man nach gut 1.100 Kilometern aus dem Auto steigt, auf die Uhr schaut und feststellt: Eigentlich beginnt der Urlaub erst einmal mit Überleben.
Unser Sommerurlaub 2026 startete jedenfalls genau so – mit einer langen Etappe Richtung Süden und einem ersten Ziel, das für uns schon fast ein kleines Ritual geworden ist: die Camargue.
Vorbei an den typischen Landschaften Südfrankreichs, an weißen Pferden, schwarzen Stieren und immer wieder diesen auffälligen rosa Flamingos, die aussehen, als hätte jemand ein bisschen zu viel Farbe in die Landschaft gekippt, ging es für uns zunächst nach La Grande-Motte.
Und wenn ihr uns schon ein bisschen kennt, wisst ihr: An dieser Stadt kommen wir nur schwer vorbei.
Tag 1: La Grande-Motte – Liebe auf den ersten Blick und jedes Mal wieder
La Grande-Motte ist sicherlich nicht die klassische französische Stadt, die man sich bei einem Urlaub in Frankreich vorstellt. Keine romantischen Altstadtgassen, keine jahrhundertealten Häuser und kein verschlafenes Dorf, in dem morgens der Bäcker die ersten Croissants aus dem Ofen holt.
La Grande-Motte ist anders.
Die Stadt ist modern, ungewöhnlich und architektonisch ziemlich speziell. Die markanten Gebäude in Form von Pyramiden, die weitläufigen Grünanlagen, der große Hafen und natürlich die breiten Sandstrände machen sie für uns zu einem ganz besonderen Ort. Vor allem aber hat La Grande-Motte dieses ganz eigene Urlaubsgefühl.
Man kann am Hafen entlangschlendern, den Booten zuschauen, sich irgendwann ein Eis gönnen und anschließend einfach die Schuhe ausziehen und Richtung Strand laufen.
Genau dieses Flair wollten wir auch dieses Mal wieder einfangen. Deshalb war schnell klar: La Grande-Motte wird unser erster Zwischenstopp.

Als Campingplatz für die Durchreise entschieden wir uns wieder für Le Petite Motte. Den Platz kennen wir bereits von früheren Aufenthalten und für genau das, was wir vorhatten, passt er einfach.
Luxus sucht man hier allerdings vergeblich. Einen Pool gibt es nicht, Animation ebenfalls nicht und überhaupt ist der Platz eher einfach gehalten. Die Parzellen sind teilweise ziemlich sandig, zwischen den Stellplätzen stehen Pinien und überall zirpen die Zikaden. Lediglich eine Boule-Bahn und ein kleiner Kinderspielplatz sorgen für etwas Abwechslung.
Und genau das macht für uns auch einen Teil des Charmes aus.
Es ist französisch. Unkompliziert. Ein bisschen rustikal. Und vor allem liegt der Platz so, dass man zu Fuß relativ schnell an der Promenade, am Hafen und am Strand ist.
Für eine Durchreise? Für uns perfekt. Für einen längeren Aufenthalt? Eher nicht.
Der Urlaubsstart dieses Jahr hatte es in sich. Nach 1.100 Kilometern in einer einzigen Etappe kamen wir entsprechend nicht gerade frisch und ausgeruht an. Wir hatten eigentlich nur noch einen Wunsch: ankommen, Tür auf, Schuhe aus und irgendwo hinsetzen. Stattdessen erwartete uns eine Hitze, die selbst beim Nichtstun anstrengend war.
Der erste Abend bestand deshalb hauptsächlich aus Regeneration. Viel trinken, möglichst wenig bewegen und irgendwie versuchen, den eigenen Körper davon zu überzeugen, dass diese Temperaturen ganz bestimmt irgendwann wieder angenehmer werden.
Unser kleiner Lebensretter dabei: ein Camping-Ventilator. Den hatte uns Viola von @fritzi.and.frieda empfohlen und was sollen wir sagen? An diesem Abend war das Ding Gold wert. Manchmal sind es eben nicht die großen Camping-Gadgets, die einen Urlaub retten, sondern ein kleiner Ventilator, der einem wenigstens das Gefühl gibt, nicht komplett zu schmelzen.
Draußen zirpten die Zikaden, drinnen bewegte sich wenigstens ein bisschen die Luft und wir waren einfach froh, endlich angekommen zu sein.
Viel mehr war an diesem ersten Abend auch gar nicht drin.
Tag 2: Ab ans Meer und ein Fahrrad, eine große Reise und ein Lagerfeuer
Zum Glück hatte die Camargue am nächsten Tag eine ziemlich gute Lösung für unser Hitzeproblem parat: das Meer.
Und genau dafür lieben wir Südfrankreich.
Also Handtücher, Schnorchelsachen und alles, was man für einen Tag am Strand braucht, zusammengepackt und ab Richtung Wasser.
Schon nach den ersten Metern im Meer war die Hitze deutlich besser auszuhalten. Wir verbrachten viel Zeit im Wasser, schnorchelten über die Sandbänke und waren überrascht, wie viel es unter der Wasseroberfläche tatsächlich zu entdecken gab. Kleine Fische huschten vorbei und immer wieder gab es etwas Neues zu sehen.
Es muss eben nicht immer das tropische Riff sein. Manchmal reicht auch ein Stück Mittelmeer, eine Sandbank und eine Taucherbrille, um für ein paar Stunden komplett abzutauchen.
Und während wir im Wasser waren, stellte sich langsam dieses Gefühl ein, auf das wir nach der langen Anreise gewartet hatten: Jetzt ist Urlaub!
Dazu gehörte natürlich auch die Geräuschkulisse am Strand.
Denn wer schon einmal an der französischen Mittelmeerküste Urlaub gemacht hat, kennt sie: die Strandverkäufer, die mit ihren Rufen über den Strand ziehen und ihre „Baignes“ und „Glaces“ anbieten. Für uns gehört das einfach dazu.
Man liegt in der Sonne, hört das Meer rauschen, irgendwo ruft jemand „Glaces!“ und spätestens dann ist auch der letzte Rest Alltag verschwunden. Urlaubsstimmung pur.

Am Abend saßen wir wieder vor unserem Wohnwagen. Das Camping-Setup war dabei denkbar minimalistisch – Durchreise eben. Nach einem langen Tag am Meer brauchten wir ohnehin nicht viel. Ein Tisch, ein paar Stühle und etwas zu trinken – mehr musste es nicht sein.
Und manchmal braucht es auch gar nicht mehr, damit interessante Begegnungen entstehen. An diesem Abend lernten wir Sven kennen.
Sven war mit seinem Fahrrad unterwegs. Und zwar nicht mal eben für ein Wochenende. Er hatte sich im Ruhrgebiet auf den Weg gemacht und wollte bis nach Spanien radeln. Respekt! Während wir mit unserem Wohnwagen unterwegs waren, stand da plötzlich jemand vor uns, der seine Reise komplett anders angelegt hatte. Keine vier Räder, kein Wohnwagen, kein Ventilator, kein Campingplatz als festes Ziel. Stattdessen Fahrrad, wenig Gepäck und jede Menge Kilometer vor sich.
Da seine Akkus und Powerbanks irgendwann nach Strom verlangten, halfen wir kurzerhand beim Laden aus. Und aus einem kleinen „Könnt ihr mir vielleicht kurz helfen?“ wurde schließlich ein ziemlich langer Abend. Später saßen wir noch gemeinsam am Lagerfeuer und unterhielten uns über Reisen, Camping, Fahrräder, Ziele und die unterschiedlichen Arten, unterwegs zu sein.
Genau solche Begegnungen sind es, die für uns Camping ausmachen. Man fährt irgendwohin, kennt niemanden und ein paar Stunden später sitzt man gemeinsam am Feuer und erzählt sich Geschichten.

Tag 3: Schon wieder Abschied von La Grande-Motte
Leider waren wir diesmal nur auf der Durchreise. Am nächsten Morgen hieß es deshalb schon wieder Sachen zusammenpacken, Wohnwagen reisefertig machen und weiterziehen. Angefeuert von einer französischen Seniorengruppe, die über unseren Mover staunten.
Natürlich konnten wir nicht abreisen, ohne vorher noch einen Abstecher nach Montpellier zu machen. Ein bisschen einkaufen musste schließlich auch sein, bevor wir unsere nächste Etappe in Angriff nahmen. Vorräte auffüllen und regionale Köstlichkeiten einladen – denn unser Sommerurlaub hatte gerade erst begonnen.

Von der Camargue und dem Mittelmeer geht es weiter Richtung Ardèche.
Und auch wenn La Grande-Motte diesmal nur für einen kurzen Zwischenstopp auf unserem Reiseplan stand, hat uns der Ort wieder einmal gezeigt, warum wir immer wieder gerne hierherkommen: Weiße Pferde, schwarze Stiere, rosa Flamingos, 41 Grad, Sand zwischen den Füßen, Fische unter der Wasseroberfläche, französische Strandrufe und ein Abend am Lagerfeuer mit einem Fahrradreisenden auf dem Weg nach Spanien.
Mehr Südfrankreich geht für einen ersten Urlaubsstart eigentlich kaum. Und eines ist sicher: Die Camargue war ein ziemlich guter Auftakt für unseren Sommerurlaub 2026.
Jetzt wartete allerdings schon die nächste Station auf uns: Ardèche, wir kommen!
Autor
mail@sachenpackenundlos.de