Urlaub an der Ardèche – 12 Tage zwischen Schlucht, Geiern und französischem Campinggefühl
Es gibt diese Orte, an die man nicht einfach nur zurückfährt. Man kommt wieder nach Hause. Zumindest fühlt es sich ein bisschen so an.
Seit mehr als 15 Jahren besuchen wir den Campingplatz L’Ardéchois an der Ardèche. Wir kennen den Platz, die Menschen, die Umgebung, die kleine Steinbrücke, den Fluss und natürlich den Weg zum Pont d’Arc. Und trotzdem gibt es jedes Jahr Dinge, die wir noch nicht gesehen haben. Neue Begegnungen, neue kleine Abenteuer und manchmal auch einfach einen besonders schönen Abend am Fluss.
Nach unserem Auftakt in der Camargue ging es für uns in diesem Sommer weiter an die Ardèche. Zwölf Tage zwischen Kanufahrt, Klippenspringen, Geiern, wilden Ziegen, Schlangen, Gewittern und ziemlich viel französischem Campinggefühl.
Tag 1 – Von der Camargue zurück an die Ardèche
Hinter uns lagen die heißen Tage der Camargue. Vor uns die Ardèche.
Nach der Fahrt erreichten wir endlich den Campingplatz L’Ardéchois, den wir seit über 15 Jahren immer wieder besuchen. Schon der Empfang war herzlich und irgendwie war sofort wieder dieses vertraute Gefühl da. Man kennt die Umgebung, weiß, wo man hinmöchte, und trotzdem freut man sich jedes Mal aufs Neue.
Während wir bei strahlendem Sonnenschein mit dem Aufbau begannen, zog bald darauf ein Regenschauer über den Platz. Nach der Hitze der Camargue war die Abkühlung sogar ziemlich angenehm. Zumindest solange man nicht gerade versuchte, das Vorzelt aufzubauen. Zum Glück stand es bereits grob und so konnten wir uns für den ersten Abend mit dem begnügen, was wirklich wichtig war: ankommen.
Wohnwagen auf, Sachen ausladen, durchatmen. Der Urlaub an der Ardèche konnte beginnen.

Tag 2 – Unsere Steinbrücke und eine neue Kaffeebar
Am zweiten Tag wurde erst einmal aus dem grob aufgestellten Vorzelt wieder unser kleines Zuhause. Alles bekam seinen Platz und auch unsere neue Kaffeebar zog ein. Denn was wäre ein Campingurlaub ohne einen festen Platz für Kaffee?
Während rund um den Wohnwagen noch geräumt und eingerichtet wurde, machte sich Janine ganz allein mit Hazel auf den Weg zu einer kleinen Steinbrücke, die wir schon seit vielen Jahren besuchen. Der Weg dorthin ist für uns inzwischen fast schon ein kleines Ritual. Rund um das Wasser gibt es Frösche und Fische zu entdecken und mit etwas Glück bekommt man auch mal eine Schlange zu Gesicht. Immer wieder begegnet man Wanderern, die auf dem Weg zum Pont d’Arc sind. Es sind genau diese kleinen Wege, die für uns zur Ardèche dazugehören.

Am Nachmittag wurde es dann weniger romantisch: Waschtag. Wir haben dabei unsere Scrubba Washbag getestet und waren ziemlich schnell von ihr überzeugt. Seit diesem Urlaub möchten wir sie beim Camping nicht mehr missen. Gerade wenn man länger unterwegs ist, ist eine unkomplizierte Möglichkeit, zwischendurch Wäsche zu waschen, einfach Gold wert.

Abends blieb die Küche kalt. Im Restaurant des Campingplatzes gab es Pizza. Und danach? Natürlich ging es wieder an den Fluss. Die Sonne verschwand langsam hinter der Landschaft und wir saßen mit einem Glas Wein am Wasser. Mehr braucht es manchmal wirklich nicht.

Tag 3 – Campingküche und Vorfreude auf die Ardèche
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Vorfreude. Wir planten unsere Kanutour durch die Ardèche-Schlucht. Die Vorstellung, die bekannten Felsen und den Pont d’Arc einmal wieder vom Wasser aus zu erleben, ließ uns schon morgens überlegen, wie wir den nächsten Tag gestalten würden.
Doch vorher musste natürlich noch unser neuer Pizzaofen zeigen, was er kann. Pizza aus dem eigenen Ofen, mitten auf dem Campingplatz – auch das gehört für uns inzwischen zum Urlaub dazu. Und während es aus dem Ofen duftete, fühlte sich der Tag schon ziemlich perfekt an.
Später zog es uns wieder zum Fluss. Wir breiteten unser Picknick aus, hatten Wein dabei und ließen den Abend einfach kommen. Kein großer Plan, kein Termin, kein „Das müssen wir noch sehen“. Einfach sitzen, essen, trinken und auf das Wasser schauen. Camping eben.

Tag 4 – Mit dem Kanu durch die Ardèche-Schlucht
Heute ging es aufs Wasser. Die Kanutour durch die Ardèche-Schlucht war wieder eines der Highlights unseres Aufenthalts. Vom Kanu aus bekommt die Landschaft noch einmal eine ganz andere Wirkung. Die Felsen ziehen an einem vorbei, das Wasser ist glasklar und immer wieder entdecken wir Fische unter der Wasseroberfläche.

Und natürlich blieb es nicht bei einer gemütlichen Paddeltour. Wir kenterten. Zum Glück gehört ein bisschen Abenteuer für uns irgendwie dazu und viel ist auch nicht passiert. Besonders spannend fanden wir die rutschartigen Übergänge an den Schleusen. Da wurde aus dem entspannten Paddeln plötzlich eine kleine Portion Nervenkitzel.
Und dann kam der Pont d’Arc. Der gewaltige natürliche Steinbogen ist schon von Land aus beeindruckend. Vom Wasser aus darunter hindurchzufahren, ist aber noch einmal etwas ganz anderes.

Für uns ganz neu: wir haben uns überwunden und das Klippenspringen unter demk Bogen aus Stein ausprobiert. An verschiedenen Stellen gibt es die Möglichkeit, sicher zu springen. Wir genossen die Natur, das klare Wasser und diese besondere Mischung aus Abenteuer und Ruhe, die eine Kanutour durch die Ardèche-Schlucht für uns ausmacht.
Ein Tag, an dem wir ziemlich nass wurden. Aber genau so sollte es sein.
Tag 5 – Geier über der Schlucht und ein Schwein im Lavendel
Der fünfte Tag begann dort, wo wir uns besonders wohlfühlen: direkt am Fluss. Frühstück mit den Füßen im Wasser – viel mehr Frankreich- und Campinggefühl geht für uns kaum.
Am Nachmittag entdeckten wir die ersten Geier dieses Urlaubs. Und jedes Mal, wenn diese riesigen Vögel über der Landschaft kreisen, sind wir aufs Neue fasziniert. Wir könnten ihnen stundenlang zuschauen.

Überhaupt ist die Landschaft rund um die Ardèche etwas, an dem wir uns einfach nicht sattsehen können. Der vertraute Blick über die Schlucht raubt uns jedes Jahr wieder den Atem. Und natürlich waren auch die wilden Ziegen wieder da. Sie gehören inzwischen genauso zum Landschaftsbild für uns wie die Felsen und der Fluss.


Heute stand außerdem noch ein Ausflug zum Lavendelmuseum auf dem Programm. Neben dem Lavendel selbst locken dort auch kleine Feinkostgeschäfte zum Stöbern und Mitnehmen. Und zwischen den Lavendelfeldern wartete eine ganz besondere Begegnung auf uns: Ein Schwein lag entspannt in der Sonne und schien sich über unsere Aufmerksamkeit mindestens genauso zu freuen wie wir über seinen Anblick.

Da alles so schön nah bei einander liegt, nutzten wir gleich nochmal die Gelegenheit um erneut zum Pont d’Arc zu fahren. Dieses Mal zum Schwimmen. Und natürlich zum Klippenspringen. Auch dieses Mal waren Schwimmwesten für uns wieder ein Muss. Zwar ist die Strömung eher leicht aber wir wollten bei den Untiefen einfach kein Risiko eingehen. Außerdem konnten wir Dank unserer Schwimmwesten auch in die verwinkelten Höhlen rund um den Steinbogen wagen. Die hatten wir tatsächlich noch nie richtig wahrgenommen.
Manchmal muss man einen bekannten Ort eben aus einer anderen Perspektive betrachten, um etwas Neues zu entdecken.



Tag 6 – Ein Tag am Pool und Besuch im Wohnwagen
Nach so viel Action durfte es heute etwas ruhiger werden. Wir machten einen Pooltag. Einfach mal nicht losfahren, nichts anschauen und keine große Unternehmung planen. Der Campingplatz wurde für einen Tag zum Urlaubsziel. Und er hat wirklich was zu bieten. Neben den drei Pools (an denen man auch zu jeder Zeit eine Liege ergattert) und den Sanitäranlagen hätten wir unsere Zeit auch mit Tennis und anderen Sportmöglichkeiten verbringen können. Wir zogen es jedoch vor, einfach im kühlen Nass zu schwimmen und Sonne zu tanken.




Bis ein kräftiges Gewitter unseren Pooltag beendete. Während draußen der Regen niederprasselte und das Gewitter über die Ardèche zog, machten wir es uns im Wohnwagen gemütlich.
Und dann bekamen wir Besuch.
Mitten in der Nacht entdeckten wir eine etwa sieben Zentimeter große Gottesanbeterin bei uns im Wohnwagen. Ein kleiner nächtlicher Schreck – schließlich rechnet man beim Camping mit vielem, aber nicht unbedingt mit einer Gottesanbeterin als Mitbewohnerin. Zumal dieses Insekt wesentlich größer ist, als alle Insekten die man sonst so trifft.
Sie durfte trotzdem bleiben. Zumindest so lange, bis das Wetter am nächsten Tag wieder besser wurde.

Tag 7 – Montélimar und warum der Weg manchmal das Ziel ist
Heute machten wir einen Ausflug nach Montélimar. Wir hatten uns die Stadt angesehen und ehrlich gesagt: So richtig für sich gewinnen konnte sie uns nicht. Manchmal passiert das eben auf Reisen. Nicht jeder Ort löst dieses „Wow, hier müssen wir unbedingt bleiben“-Gefühl aus. Also machten wir aus der Situation das Beste und nutzten den Ausflug zum Einkaufen.
Trotzdem würden wir den Tag nicht missen wollen. Denn schon die Fahrt dorthin führte uns durch traumhafte Landschaften. Und wieder einmal zeigte sich: Manchmal ist gar nicht das Ziel der Höhepunkt eines Ausflugs. Manchmal ist es der Weg dorthin.

Tag 8 – Ein bisschen Hundesport
Heute blieb es wieder etwas ruhiger. Christian nutzte den Hundeplatz des Campingplatzes, um mit Hazel zu curven.
Während die beiden unterwegs waren, konnten wir wieder einmal das genießen, was wir an diesem Campingplatz so lieben: Man muss hier nicht jeden Tag etwas unternehmen. Man kann. Aber man muss nicht. Und genau das macht für uns einen Teil des Urlaubs aus.

Tag 9 – Zwischen Ponys, Eseln und einer Schlange
Noch einmal führte uns unser Weg vorbei an Ponys und Eseln zu unserer vertrauten Steinbrücke. Viel Programm hatten wir heute nicht geplant. Eigentlich wollten wir einfach nur den Tag genießen und uns vom Campingplatz unterhalten lassen.
Und genau dabei wurde es plötzlich spannend. Wir begegneten einer Vipernnatter.
In diesem Urlaub hatten wir inzwischen erstaunlich viele Schlangen gesehen. Die meisten direkt auf dem Campingplatz, an dem Flußufer das wir hauptsächlich zum Schwimmen und Schnorcheln nutzten. Und etwas hatte sich dabei verändert: Aus der anfänglichen Furcht war langsam echte Faszination geworden.
Je öfter wir die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum sahen und je genauer wir sie beobachten konnten, desto spannender wurden diese Begegnungen.



Am Abend stand dann noch ein ganz anderes Highlight auf dem Programm: der Auftritt von Les Z’Enchanteuses. Ein tolles Programm und ein schöner Abend auf dem Campingplatz. Manchmal muss man für gute Unterhaltung eben gar nicht weit fahren. Wir würden uns freuen, die beiden Künstlerinnen noch einmal zu sehen und zu hören.

Tag 10 – Zimtschnecken und Weltuntergangsstimmung
Dieser Tag begann mit einem Duft, der eigentlich nur Gutes verheißen konnte: Zimtschnecken aus unserem Pizzaofen. So darf ein Campingmorgen gerne starten.

Doch am Abend zeigte sich die Ardèche von ihrer wilden Seite. Das Wetter wurde immer heftiger. Blitze zogen über die Schlucht und der Regen prasselte nieder. Es war stockdunkel, als wir plötzlich auf die wilden Ziegen trafen. Mitten im Tunnel der Landstraße. Was für ein Schreck. Im ersten Moment wussten wir gar nicht so recht, was da eigentlich vor uns auftauchte. Bei dem Wetter, in der Dunkelheit und mit den Blitzen über der Schlucht wirkte die Situation beinahe surreal.

Danach waren wir ziemlich froh, wieder im Wohnwagen zu sein. Draußen tobte das Wetter, drinnen war es gemütlich.
Und genau für solche Abende ist ein Wohnwagen einfach unschlagbar.
Tag 11 – Unser letzter Kaffee am Fluss
Unser letzter voller Tag an der Ardèche begann noch einmal genau so, wie wir diese Gegend lieben: mit Kaffee und den Füßen im Fluss. Während die Kanufahrer an uns vorbeizogen, lachte die Sonne und für einen Moment konnte man sich kaum vorstellen, dass unser Urlaub schon wieder zu Ende gehen sollte.
Noch einmal machten wir uns auf den Weg zum Lavendelmuseum zum Souvenirshoppen.



Und dann wartete eine Überraschung auf uns.
An der Schlucht trafen wir auf Ranger, die einen Vortrag über die Geier der Ardèche hielten. Für uns hätte es kaum passender kommen können. Die riesigen Vögel hatten uns während des gesamten Urlaubs immer wieder beschäftigt und fasziniert – und nun bekamen wir noch einmal die Gelegenheit, mehr über sie zu erfahren.



Während wir langsam begannen, unser Vorzelt abzubauen, sorgte unser Kind dann noch für das vielleicht außergewöhnlichste Erlebnis des Tages: Eine kleine Vipernnatter musste gerettet werden. Zum Glück hatten wir unser Fischernetz noch nicht aus dem Wohnwagen aussortiert. Damit konnte die kleine Schlange vorsichtig aufgenommen und an einen sicheren Ort gebracht werden. Und plötzlich wurde aus einer Schlange, vor der wir uns früher wahrscheinlich erschrocken hätten, ein Tier, das wir unbedingt schützen wollten. Was für eine Entwicklung innerhalb eines Urlaubs.

Unser letzter Abend gehörte noch einmal dem Fluss.
Wir packten ein Picknick, dazu gab es Wein, Chips und französische Oliven. Und natürlich konnten wir es nicht lassen: ein letztes Mal ins Wasser. Die Sonne ging langsam unter, während wir am Fluss saßen.
Das sind die Momente, die bleiben. Nicht unbedingt der große Ausflug. Nicht der perfekte Fotospot. Sondern dieser eine Abend, an dem man weiß, dass morgen die Heimfahrt beginnt und man deshalb noch ein bisschen länger sitzen bleibt.


Tag 12 – Abschied von der Ardèche
Und dann war er da: der letzte Morgen. Wohnwagen einräumen, alles wieder verstauen und noch einmal prüfen, ob wirklich nichts liegen geblieben ist.
Unser nächstes Ziel hieß Luxemburg. Doch der Abschied fiel uns schwer.

Nach zwölf Tagen an der Ardèche nehmen wir nicht nur Souvenirs und Fotos mit nach Hause. Wir nehmen vor allem diese vielen kleinen Erinnerungen mit: die Kanutour durch die Schlucht, den Pont d’Arc, die Geier über uns, die wilden Ziegen, unsere Schlangenbegegnungen, die Gottesanbeterin im Wohnwagen und unzählige Stunden direkt am Fluss.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Campingplatz für uns so besonders macht. Wir müssen hier nicht ständig etwas erleben. Die Natur kommt einfach zu uns. Und genau deshalb werden wir L’Ardéchois und die Ardèche wieder vermissen. Aber eines wissen wir jetzt schon: Wir kommen wieder.
Autor
mail@sachenpackenundlos.de